Für Opfer: Wider die Angst – Wieder Mut zum Leben

Gewaltpräventionskurs für Opfer von Gewaltstraftaten



Inhalt und Ziel
»Psychisches Trauma ist das Leid der Ohnmächtigen. Das Trauma entsteht in dem Augenblick, wo das Opfer von einer überwältigenden Macht hilflos gemacht wird.« (Judith L. Herman, Die Narben der Gewalt, 1994, S. 52). Kommt diese Macht aus der Natur, dann sprechen wir von einer Naturgewalt oder einer Katastrophe. Üben Menschen gegen andere Menschen Macht aus mit der Absicht, diese zu schädigen, dann sprechen wir von Gewaltstraftaten. Die Folge, das psychische Trauma, ist von den negativen Gefühlen Angst, Kontrollverlust, Hilflosigkeit und Wehrlosigkeit begleitet. Es dient dem Heilungsprozeß eines Traumas, einen neuen Erfahrungsraum zu schaffen, in dem diese negativen Gefühle und Bilder durch positive Gefühle und Bilder ergänzt, wenn nicht gar verändert werden. Es geht darum, Angst in Mut, Hilflosigkeit in Sicherheit, Sprachlosigkeit in Worte und Wehrlosigkeit in Kampfbereitschaft zu verwandeln.

  • Entspannungsübungen: Einübung von motorischer Ruhe und Entspannung, um die innere Unruhe kontrollieren zu lernen
  • Angemessene verhältnismäßige Selbstbehauptung als positive und konstruktive Form der Aggression
  • Training gegen die lähmende Angst, Enthemmungstraining. Die Hemmschwelle sich zu wehren, die erfahrungsgemäß bei Opfern höher ist als bei Tätern, erscheint vielen Opfern unüberwindlich. In realitätsnahen Übungskämpfen lernen die Teilnehmer/-innen diese Hemmschwelle zu überwinden, indem sie alle im Kurs gelernten Techniken mit voller Kraft gegen einen Angreifer im Schutzanzug anwenden. Diese Trainingsmethode hat – dank der Schutzausrüstung und der speziellen Ausbildung der Trainer – viele Vorteile: Stresstraining, Überwindung der Erstarrung, Abbau von Schlaghemmungen, Erleben der eigenen Stärke, Stärkung des Selbstbewusstseins und des Kampfgeistes. Nach der Erfahrung, realistisch gekämpft zu haben, sagte eine Teilnehmerin: »Dass ich gekämpft und gesiegt habe, war wie eine Befreiung«.
  • Stresstraining, um unter auch unter Stress handlungsfähig zu bleiben
  • Schulung der Stimme: die Stimme als Abwehrtechnik (Kampfschrei)
  • Schulung der Sprach- und Wortwahl: Sprache als behutsame Selbstverteidigung
  • Vom Umgang mit dem Trauma
  • Wahrnehmung in und von Gefahrensituationen
  • Täter-Opfer-Beziehung
  • Prinzipien der Selbstbehauptung: Grenzen setzen, verbales und nonverbales »Nein«
  • Strategien zur Konfliktvermeidung
  • Personenbezogene SelbstVerteidigungstechniken
  • Deliktspezifisches Training
  • Das Notwehrrecht
  • Andere in Gefahr: was heißt „helfen“?

Methoden
Körperübungen, Lehrgespräche, Rollenspiele, Videoeinsatz, sorgfältige Feedbackgespräche im Team, Schutzanzugtraining

Zielgruppe
Alle Opfer von Gewaltstraftaten, die freiwillig teilnehmen wollen und dazu psychisch und physisch in der Lage sind.

Größe der Gruppe
4 – 6 Teilnehmer/-innen

Dauer des Kurses
ca. 12 Zeitstunden

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